„Betreutes Wohnen? Auf keinen Fall!“

„Aber wir sind keine WG“, stellt Christa Ates gleich mal klar. „Auch keine Altentagesstätte“, ergänzt Anni Hartmann. Dazu nicken Elisabeth Frels und Johanna Schwenke energisch. Zusammen mit Ursula Krug bilden die vier Damen den Beirat des Projekts „Nachbarschaftliches Wohnen“ und realisieren gemeinsam mit dem Lübecker Bauverein (LBV) im Stadtteil St. Gertrud ein außergewöhnliches Wohnprojekt.

Bis zum März 2010 entstehen auf dem Gelände eines ehemaligen Busdepots 42 Wohnungen zwischen 48 und 83 Quadratmetern Wohnfläche und mit Kaltmieten zwischen 5,10 Euro und 7,50 Euro pro Quadratmeter. Barrierefreie Ausstattung und nachbarschaftliche Gemeinschaft sollen 41 weiblichen Singles und einem Paar ein selbstständiges und selbstbestimmtes Leben bis ins hohe Alter ermöglichen.

„Betreutes Wohnen? Auf keinen Fall!“, winkt Anni Hartmann ab. „Zu unpersönlich und viel zu teuer.“ Die Damen setzen lieber auf gegenseitige Unterstützung im Alltag. „Aber jeder hat seine eigenen vier Wände“, betont Elisabeth Frels.

Nachdem die Idee eines gemeinsamen Wohnprojekts Ende 2004 geboren war, nahm die Gruppe Kontakt zu möglichen Partnern auf – von Grundstücksgesellschaften und Hausverwaltungen bis zur Kirche. Zwei ergebnislose Jahre später wandte sie sich schließlich an den LBV. Und der baut jetzt ab Herbst 2008 als Eigentümer die Wohnanlage ganz nach den Bedürfnissen der zukünftigen Bewohnerinnen.

Die Gruppe ist mittlerweile auf rund 60 Damen angewachsen, und die wichtigsten Entscheidungen werden auch schon mal als Vollversammlung direkt mit dem LBV besprochen – von der Festlegung der Wohnungsgrößen bis zur Wahl der Bodenbeläge. Denn auch bei der Ausstattung wird mit entschieden. Dazu sind in der LBV Geschäftsstelle in zwei Musterzimmern zahlreiche Elemente aufgebaut, die zur Auswahl stehen – von Türen und Arbeitsplatten bis zu Duschwannen und Bad-Armaturen.

Und die Damen sind begeistert: „In welcher Mietwohnung kann man sich schon zwischen fünf verschiedenen Küchenfronten entscheiden?“ strahlen sie und versprühen dabei eine ansteckende Vorfreude auf das gemeinsame Wohn-Abenteuer. Und eine WG könnte da sowieso nicht mithalten.