Camp-Tagebuch August 2010

Tage: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 |

1. Tag
Herzlich willkommen, liebe Kinder und Eltern, die ihr euch entschlossen habt, diese Freizeit in unserem Tagebuch zu begleiten. Eine weise Entscheidung!

Heute ist also der große Tag, an dem es losgeht. Während wir hier auf dem Klinthof noch letzte Vorbereitungen treffen, sitzen die Kinder bereits in den Bussen, direkt auf dem Weg zur Kinderfreizeit. Zwei Busse, einer, der die Kinder aus den nördlichen Regionen Schleswig-Holsteins abholt, einer, für die Kinder aus den südlichen Gefilden. Dennoch klappt es, das tatsächlich beide Busse zeitgleich hier sind, das nenne ich echtes Timing! Kompliment!. Das macht den Start gleich einfacher, denn so können wir direkt in die Begrüßungsrunde einsteigen und niemand muss lange warten, und sich möglicherweise auf dem Hof verloren fühlen. Schließlich kommen die meisten Kinder ohne schon bekannte Freunde oder Geschwister, da fühlt man sich am Anfang nicht immer so richtig gut.

Na prima, das Wetter hat den ganzen Tag gehalten und rechtzeitig zur Begrüßungsrunde fängt es an zu regnen!  Doch was soll´s, es gibt schließlich genügend große Räume in die wir uns flüchten können. Wäre doch gelacht, wenn wir vor so einem  bisschen Regen schon kapitulieren würden. Nachdem wir aus der ersten Runde nun schon alle ein wenig voneinander wissen, geht´s ran an die Zimmeraufteilung. Das klappt total super, ohne „Weh“ und „Ach“ finden alle einen Platz, an dem sie sich auch schnell wohl fühlen können. Und nun endlich geht´s in die Zimmer. Klamotten auspacken, Betten beziehen, ups, wie macht man das denn? Meine Güte, wieso können Mütter das eigentlich so gut? Moment mal, das passt doch gar nicht, nee wirklich, das kann gar nicht passen…. EY!! der Bezug ist viel zu klein, die haben mir was Falsches eingepackt!! …ach so, das ist der Kissenbezug, für die Decke gibt´s noch einen anderen. Ist ja krass, das kann einem ja mal jemand sagen…. Vor dem Abendessen treffen wir uns jetzt noch mal in den Kleingruppen, da ist es auch einfacher, sich kennen zu lernen und noch ein paar wichtige Informationen auszutauschen. Fünf Gruppen gibt es: die „Hansekoggen“, die „Eisbrecher“, die „Wikinger“, die „Auswanderer“ und die „Kreuzfahrer“. Na ja, die werden sich wohl was dabei gedacht haben, die Betreuer. Warten wir mal ab. Jetzt haben wir schon richtig das Gefühl zusammen zu gehören und es fühlt sich schon viel besser an, als ganz zu Anfang. Das gemeinsame Abendessen – na ja, wir haben ja noch Gelegenheit, es öfter zu proben. Sagt mal, kriegen die bei euch nie was zu essen? Sitzen die nie am Tisch und essen die immer nicht nur im Stehen sondern auch im Laufen? Hm, na gut, dann probieren sie es halt jetzt doch mal im Sitzen, am Tisch und vor allem gemeinsam. Glücklicherweise sitzen an allen Tischen auch eine Betreuerin oder Betreuer, die Sorge dafür tragen, dass der Lärmpegel, den eines startenden Airbusses nicht übersteigt und so bestehen noch Chancen, die erste Mahlzeit mit intaktem Trommelfell zu überstehen.

Zum Abendprogramm erfahren wir endlich, was es mit diesen Schiffen auf sich hat: Also, wir begeben uns auf eine imaginäre Reise nicht nur durch Schleswig-Holstein, sondern auch durch die vergangenen Jahrhunderte hindurch. Dafür besteigen wir täglich ein neues  imaginäres Schiff und erfahren und erleben dazu passend einiges aus dem Leben der jeweiligen Epoche. Heute starten wir auf dem Containerschiff im Hamburger Hafen, auf dem wir dann durch den Nord-Ostsee Kanal in´s schönste Bundesland reisen werden.

Dazu braucht´s LKWs, gebildet jeweils aus 6 Kindern, die sich Aufträge in der Spedition „OLINE Cargo“ abholen. Die Aufträge schicken uns in die verschiedensten Kreise und Kreisstädte Schleswig-Holsteins und dort gilt es Aufgaben zu erfüllen: z.B.: in Ostholstein ist viel Strand und es werden viele Sandburgen gebaut: Baut auch ihr jetzt eine Sandburg! Oder: „Lübeck ist die Stadt des Marzipans: Darf sich nur Marzipan „Lübecker Marzipan“ nennen, das auch wirklich nur in Lübeck hergestellt wurde?“  Aufgabe erfüllt, dann gibt es einen „Container“, der schnell zurück zur Spedition gebracht wird, dort bekommt man Punkte auf seiner Frachtkarte gut geschrieben. Klar, wer am Ende die meisten Frachtpunkte hat, hat gewonnen und wird morgen früh einen JOKER ziehen können. Was das ist? lasst euch überraschen, ich kann ja nicht gleich alles am ersten Abend erzählen….

Nun, der erste Tag neigt sich dem Ende, nach der Abendrunde am Lagerfeuerplatz machen sich alle bettfertig. Wir kommen dann noch rum zum Gute Nacht Sagen und zum Vorlesen. Einige haben schon richtig gute Freunde gefunden, wie Jonas überrascht feststellt: zwei seiner Jungs wälzen sich auf dem Boden, eng umschlungen, Jonas packt  schon der Beschützerinstinkt und er will eingreifen als er gerade noch rechtzeitig deutlich die Verabredung vernimmt. „und morgen bist du dann die Frau, okay?“… Gut, warum auch nicht…

Dann aber sind tatsächlich bald alle bettfertig und liegen, bereit, sich mittels Vorlesens in´s Reich der Träume schicken zu lassen. Aber es wäre ja nicht die erste Nacht, wenn das wirklich so gut geklappt hätte, wir gehofft. Heute müssten wir wohl ganze Bibliotheken leer lesen, um die Kinder „wegzulesen“….

Ein weiterer Gast hat sich leider auch mit eingeladen, einer, der gar nicht eingeladen war: der Herr Heimwehgeist! Blöd, der musste nun wirklich nicht erscheinen, aber wo er nun schon mal da ist, na, dann wollen wir uns mal mit ihm beschäftigen. Ich kann euch sagen, liebe Eltern, der kann ganz schön penetrant sein, aber wir werden ihm nicht die Chance lassen, dauerhaft Oberhand zu gewinnen. Und jeder Kampf, der gewonnen ist, macht uns ein Stückchen größer. Und so geht´s dem unfreiwilligen Gastgeber des Herrn Heimwehgeist gerade, für heute hat er es geschafft, ihn zu besiegen. Er liegt stolz im Bett und der Heimwehgeist muss draußen vor der Türe bleiben. Ätsch!!

Und nach diversen Runden, Erinnerungen und freundlichen Einladungen seitens der Betreuer, nun einfach mal zehn Minuten samt Bettdecke im Esszimmer zu sitzen, damit die anderen jedenfalls schlafen können, schlafen zu guter Letzt dann tatsächlich auch Standhaftesten ein und  es bestehen auch für uns Chancen, ein Mütze Schlaf zu kriegen. Schau´n wir mal, wie lange… gute Nacht.


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