Camp-Tagebuch Juli 2010

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6. Tag
Herzlich willkommen auf dem Klinthof und damit auf unserer Reise durch Raum und Zeit….

….und gleich noch ´n Geburtstag. Das geht hier Schlag auf Schlag, aber von Vanessas Geburtstag habt ihr ja vielleicht schon in der Zeitung gelesen, die haben´s nämlich auch schon geschrieben. Nach dem gebührenden Geburtstagsgesang – wir hatten gestern schon Gelegenheit zum Üben – erfahren wir, dass wir heute ein Kreuzfahrtschiff besteigen. Kreuzfahrtschiff ist klasse, auch wenn allen bewusst ist, dass es uns aus der „Neuen Welt“ so langsam in Richtung Heimathafen bringen wird.

Leider müssen wir uns heute Morgen schon von Lukas verabschieden, der unerwartet mit seinen Eltern wegfahren muss.
Der Kreuzfahrer bringt uns, wie gesagt, zurück zum Heimathafen und wir haben Gelegenheit, die Erlebnisse der Reise noch einmal Revue passieren zu lassen.
Dafür ist das „Chaos-Spiel“ genau das Richtige. Nee, nee, ich rede nicht von den Zimmern, die haben wir auch gestern entchaotisiert und das hat immerhin ein paar Stunden angehalten. 100 Fragen, gleichmäßig über den Hof verteilt, die es zu finden und zu beantworten gilt. 100 Fragen, die nochmal aufnehmen, was in den letzten Tagen passiert unter anderem auch so wichtige Wissensfragen wie: Wie alt sind alle BetreuerInnen zusammen – ja, ja, ich weiß, ich treibe da den Durchschnitt entscheidend in die Höhe -  oder wie viel Ohrlöcher haben alle BetreuerInnen zusammen. Das ist schon wichtig, dass man so was weiß. Kurz und gut, alle tobten über´s Gelände und hatten viel Spaß.  Als alle nass genug sind – mittlerweile hat es begonnen zu regnen – wird kurzerhand auf ein Quiz im Haus umgeschenkt. Geht ja auch.

Nach dem Mittag können sich die Kinder des lästigen Taschengeldes entledigen, der Kiosk macht auf, und – mal ehrlich – nehmt ihr Geld aus dem Urlaub wieder mit nach Hause? Na bitte, also, warum sollten eure Kinder das also tun?

Und nun wird´s ernst – Kofferpacken ist angesagt. Bei den Jungs ist vorher noch eine Streitschlichtung angezeigt – auch das gehört zum Reisen dazu.
Aber nun. Ehrlich gesagt verlockt es schon ein bisschen, einfach ne Schaufel zu nehmen und alles gleichmäßig auf die Koffer zu verteilen. Die Gören kennen ihre Klamotten sowieso kaum wieder, und ein eine leichte Veränderung im Kleiderschrank hat doch auch was, findet ihr nicht? Nein, keine Angst, machen wir natürlich nicht. Mit Engelsgeduld sortieren wir also Socke für Socke, Unterhose für Unterhose. Der Vorschlag von Julian, mal dran zu riechen und so rauszufinden, wem welche Unterhosen gehören, findet nicht so guten Anklang und wird alsbald als untauglich erklärt. Also liebe Eltern, wir haben gegeben, was wir konnten und hoffen sehr, dass auch die Klamotten die richtigen Heimathäfen wieder erreichen.

Dann endlich zum Geburtstagskuchen. Der fällt leider etwas kleiner aus, da es schon spät ist und in einer Stunde Cäptn´s Dinner ist. Macht aber nix, wir brauchen den sowieso nur als Alibi. Denn Per, Tatjana und Kristina sind zum ersten Mal BetreuerInnen auf dem Klinthof und müssen getauft werden. Weiß natürlich niemand, soll ja ne Überraschung werden. Ganz unverfänglich verteilen wir Negerküsse – ja, ich weiß auch, dass man die nicht mehr so nennt, mach ich aber trotzdem und behaupte dennoch dreist, kein Rassist zu sein – also, wo war ich? Ach ja, die Taufe: wir also zu dritt rum, Negerküsse verteilen, Kristina ahnt schon was, aber nix passiert. Alle knabbern genüsslich am leckeren Süß – nix passiert. Hm, kommt wohl doch nichts, denkt sie und wägt sich in Sicherheit. Nun aber kommt ganz unverhofft von hinten eine Tüte Mehl und bestäubt nicht nur ihr Haupt sondern auch alles, was noch darunter kommt…. Und nun dann gerne auch den Negerkuss in´s Gesicht, einfach nur Mehl ist doch so trocken. Bei Per und Tatjana schlagen wir gleichzeitig zu, man gut, dass wir so viele sind. Große Freude bei allen, aber ich sollte doch noch die Kinder darüber aufklären, was es mit der Taufe auf sich hat. Ich hoffe, sie haben es nicht falsch verstanden. Solltet ihr in naher Zukunft bei Freunden zu einer Kindstaufe eingeladen sein, so habt bitte vorsichtshalber einen Blick drauf, dass eure Kinder dem Täufling nicht einen Negerkuss in´s Gesicht kleben und voller Inbrunst behaupten, das mache man so bei Taufen. Wenn sie es doch tun, so seid so gut und teilt es mir mit. Denn dann weiß ich, ich muss künftig meine Erklärungsstrategien verändern.

Nachdem die drei wieder sauber waren, meine Güte, die hatten sich aber auch eingesaut, kann endlich das Captn´s Dinner beginnen. Danny und Christine haben sich in der Küche super in´s Zeug gelegt und leckere Sachen gezaubert. Nach dem Hauptgang kommt erstmal der Eröffnungstanz der Crew – es sollte eigentlich ein Walzer sein, aber Martin weiß nicht wie sich ein Walzer anhört und legt irgendwas anderes auf wonach kein Schwein tanzen kann. Macht aber  nichts, denn es kann eben auch kein Schwein Walzer tanzen. Passt also gut. Viel Spaß macht es trotzdem. Gut eine Stunde wird gesteppt, gerockt und gefetzt, dann ist Zeit für die Traumschiffmelodie. Und die ist das Zeichen für die Eisbombe. 12 Tische, 12 BetreuerInnen , 12 Eisbomben, selbstverständlich mit Feuerwerksfontänen. Wir wissen halt, was sich gehört! Dahinter können Sascha Hehn und seine Kumpels sich mit ihren lumpigen Nachtischtellern auf dem Fernsehtraumschiff aber verstecken.

Noch eine Darbietung der BetreuerInnen, noch ne ganze Menge Tänze, dann kommt er aber doch, der definitive „last dance“ – und nun kullern auch die ersten Tränen…..
Auch am letzten Abend lesen wir eure Kinder in den Schlaf, ob sie wollen oder nicht. Und die, die nicht wollen, die wollen es in der Regel ganz besonders. Probiert es mal aus….
Tja, ihr Lieben, und nun bleibt uns nur noch, uns bei euch zu bedanken für das Vertrauen, dass Ihr uns entgegengebracht habt. Ihr habt uns euere Kinder an die Hand gegeben in dem Vertrauen darauf, dass es ihnen bei uns gut geht. Wir sind uns dessen durchaus jederzeit bewusst gewesen und haben es sehr genossen, mit euren Kindern arbeiten zu dürfen. Dank auch an die Genossenschaften, die die ganze Reise ermöglicht haben – vielleicht macht es ja Schule. Wenn wir dürfen, sind wir gerne wieder mit im Boot….


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